März 2

Konzeption

  1. Vor – Satz

„Es zählt nicht nur, dass wir gelebt haben, es zählt der Unterschied, den wir im Leben anderer bewirkt haben.“  
Nelson Mandela

  1. Allgemeine Informationen

Unsere Einrichtung ist ein kleines Kinderheim. In einem familiären Rahmen geführt, nennen wir es Kinderhaus, als Abgrenzung zu großen, schichtdienstbasierten Heimen. Das Haus bietet bis zu 9 Wohnplätze für Jungen und Mädchen in einer vollstationären Gruppe sowie 1 Inobhutnahmeplatz. Wir nehmen Kinder ab 3 Jahren – in Ausnahmefällen auch darunter – auf und betreuen sie bis zur Rückführung in die Familie oder bis zur Verselbständigung und, wenn von allen an der Maßnahme Beteiligten gewünscht, auch über das 18. Lebensjahr hinaus. Das Kinderhaus befindet sich in Welterod, einem kleinen Ort mit ca. 500 Einwohnern im rheinland-pfälzischen Taunus, unweit der Loreley. Landschaftlich sehr schön gelegen, ist es umgeben von einem 1800 qm großen Grundstück. Der Ort selbst ist dörflich geprägt, verfügt jedoch über eine gute Anbindung an wirtschaftliche und edukative Infrastrukturen. Das Kinderhaus, die ehemalige Schule von Welterod, befindet sich in der Ortsmitte gegenüber dem Bürgerhaus. Durch die zentrale Ortslage – in den Räumen des Bürgerhauses, bzw. auf dem Platz zwischen Kinderhaus und Bürgerhaus, finden Vereinsarbeit, Feste und kulturelle Veranstaltungen statt – sind die bei uns lebenden Kinder „mitten im Geschehen“. Ihr Mitwirken in den Vereinen und bei Festen sowie bezüglich der kirchlichen Jugendarbeit begünstigt die Integration in die Dorfgemeinschaft. Zudem gestatten ländliche Lage und Verkehrsberuhigung ungefährdete Aktivitäten im Freien. Ein Kindergarten befindet sich direkt gegenüber unseres Hauses. Zu allen Schularten bestehen gute Verkehrsverbindungen.
Resultierte zunächst aus der Gründerzeit der Einrichtung in Oestrich-Winkel besonders der Bezug zur hessischen Jugendhilfe, so werden wir längst auch von Jugendämtern anderer Bundesländer belegt.

III. Einrichtungsstruktur

Das Kinderhaus „Blaues Ländchen“ ist eine private Einrichtung der Jugendhilfe. Träger und Leiter ist Herr Michael Walter, Diplom-Sozialarbeiter. Wir sind Mitglied im „Bundesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe (VPK), in der „Interessengemeinschaft Kleine Heime“ Hessen (IKH) und der „Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen“ (IGFH). Außerdem engagieren wir uns im Netzwerk Kindeswohl unter der Federführung des Jugendamtes des Rhein-Lahn-Kreises.
Neben dem Heimleiter ist seine Frau, Hella Winkler-Walter (Diplom-Sozialpädagogin, zertifizierte Referentin für Sozialkompetenztraining und Gewaltprävention in Gruppen), für die Tag- und Nacht-betreuung der Kinder verantwortlich. Als elternergänzende Bezugspersonen wohnen beide in dem privat geführten Haus mit den Kindern und Jugendlichen zusammen. Drei pädagogische Mitarbeiter-Innen sind als Bezugsbetreuer u. a. für die Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung zuständig, pflegen Kontakte zu Eltern, Lehrern, Ärzten der Kinder u. v. m. An Wochenenden werden die Kinder in der Regel vom Heimleiter, seiner Frau und einem/r Pädagogen/in betreut. Einmal im Monat übernehmen die pädagogischen Mitarbeiter den Wochenenddienst. Die Leitung und die meisten Mitarbeiter bilden schon seit über 20 (!) Jahren in derselben Zusammensetzung ein Team und bieten den Betreuten somit eine hohe Beziehungskonstanz.
Außerdem arbeiten eine Verwaltungskraft, eine Hauswirtschafterin sowie eine Kraft für Fahrten und Hausmeistertätigkeiten bei uns. Wir kooperieren mit externen Therapeuten verschiedenster Fachrichtungen, ein Supervisor hilft in monatlichem Abstand bei der Reflektion der Arbeit.

IV. Aufnahmekriterien

Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche ab 3 Jahren, in Ausnahmen auch darunter. Hauptkriterium ist in jedem Fall, daß die Hilfe zur Erziehung in einer Gruppe fachlich angemessen ist, bzw. die Integration in die Gruppe möglich erscheint.
Wir nehmen Kinder bei uns auf, die ein liebevoll-konsequentes pädagogisches Umfeld benötigen, um in eine selbständige und eigenverantwortliche Rolle wachsen zu können.

Es sind Kinder aus

  • Familien, in denen vorübergehend oder auf Dauer eine dem Wohl des Kindes entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist,
  • Pflegefamilien, die nicht mehr die im Einzelfall notwendige und geeignete Hilfe zur Erziehung anbieten können,
  • psychiatrischen Kliniken,
  • anderen Heimen der Erziehungshilfe.

Die Kinder müssen in der Lage sein, öffentliche Kindergärten, Schulen bzw. Sonderschulen und reguläre Ausbildungsgänge besuchen zu können.

Nicht aufgenommen werden Kinder und Jugendliche mit

– schweren körperlichen oder geistigen Behinderungen, die pflegerischer Betreuung bedürfen

– gravierenden Suchtproblemen

– massiv ausgeprägtem delinquenten Verhalten.

Nach der Aufnahme wird zeitnah ein Hilfeplangespräch vereinbart, in dem die Ziele und Dauer der Maßnahme mit dem zuständigen Jugendamt und den Eltern, bzw. ggf. dem Vormund abgestimmt werden. Die jeweiligen bestimmenden Faktoren (Veränderung des Kindes oder des familiären Umfeldes) berücksichtigend können die Ziele in turnusmäßigen Hilfeplangesprächen modifiziert und bezüglich der Dauer der Maßnahme eine Verkürzung oder Verlängerung beschlossen werden.

V. Rechtsgrundlagen

Die Rechtsgrundlage für die Aufnahme und Betreuung von Kindern und Jugendlichen bilden:

– § 27 SGB VIII Hilfe zur Erziehung i. V. m.

– § 34 SGB VIII Heimerziehung

– § 41 SGB VIII Hilfe für junge Volljährige

– § 42 SGB VIII Inobhutnahme

VI. Unsere pädagogische Ausrichtung

Unsere pädagogische Ausrichtung orientiert sich am Kind/dem Jugendlichen als Individuum, als Teil der Gruppe und als Teil der Gesellschaft. Wir begleiten es/ihn in Richtung auf eine Integration ins Kinderhaus oder Rückführung in die Herkunftsfamilie, Vorbereitung auf ein selbständiges Leben oder eine Weitervermittlung in Anschlußmaßnahmen.
Wir fördern altersgemäße, geschlechtsspezifische und entwicklungsbezogene Fähigkeiten mit dem Ziel der Stärkung des Selbstbewußtseins, des Selbstwertgefühls und der Selbst-/Sozial-/Sachkom-petenz. Dabei präferieren wir das Zusammenleben von Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters, (im Gegensatz zu manch großen Einrichtungen, die die Arbeit mit geschlechtsgetrennten und altershomogenen Gruppen bevorzugen), da dies zum einen unserem Ansatz des familienanalogen Zusammenlebens entspricht und zum anderen soziales Lernen auf breiterer Ebene (Rücksichtnahme, Rollenverhalten, Vorleben u.a.) ermöglicht.
Voraussetzung für die optimale Entfaltungsmöglichkeit eines Kindes ist, neben seinen materiellen, besonders auch seine individuellen emotionalen und psychosozialen Bedürfnisse weitestgehend zu befriedigen. Sie erfahren deshalb bei uns ein hohes Maß an Zuwendung und Verläßlichkeit. Zu den Entfaltungsmöglichkeiten gehören auch die Hinführung zu altersgemäßer Gestaltung des eigenen Lebensraumes und adäquater Freizeitgestaltung.
Zum verständnisvollen Eingehen auf individuelle Verhaltens- und Charaktermerkmale bedarf es nicht zuletzt unserer Flexibiliät, zu der auch das Respektieren von phasenweise regressivem oder gar pathologischem Verhalten gehört. Ergänzende therapeutische Angebote orientieren sich an diesen Eigenheiten des Kindes und seiner Lebensgeschichte.

VII. Leitbild

Wir verstehen uns als Partner von Kindern, Eltern/Verwandten/Vormündern und Jugendämtern in der Erziehungshilfe unter dem Fokus der Zusammenarbeit mit Schulen, Ausbildungsstellen, Therapeuten, Ärzten etc. Den Kindern und Jugendlichen wollen wir einen Lebensraum anbieten, in dem sie sich wohlfühlen und als Individuum in ihrer Ganzheitlichkeit von Körper, Geist und Seele wachsen können. Dieser Lebensraum ist gekennzeichnet durch verläßliche Regeln und Alltagsstrukturen, die Sicherheit und Orientierung geben. Das Ausbalancieren zwischen den Wünschen und Bedürfnissen des Individuums einerseits und der Gemeinschaft andererseits, fördert die Entwicklung zur sozialen Persönlichkeit. Ausgehend vom situativen Ansatz holen wir das Kind/den Jugendlichen da ab, „wo es/er ist“, nehmen Rücksicht auf seine individuellen Probleme und bringen seinen Stärken Wert-schätzung entgegen.

VIII. Betreuungsangebote

1. Hilfe zur Erziehung/Vollstationäre Betreuung

Wir betreuen Kinder und Jugendliche, deren Eltern eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleisten können. Die Hilfe umfaßt als Vollzeitpflege das Wohnen im Kinderhaus, die Verköstigung, die Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung, die pädagogische Betreuung und Förderung, therapeutische Anbindung u. v. m. Ausführliche Darstellung in Punkt XII. „Das pädagogische Arbeitsfeld“.

2. Hilfe für junge Volljährige

Zur Erleichterung für Jugendliche/junge Erwachsene, die in die Verselbständigung gehen. Wir unterstützen dort, wo lebenspraktische Fähigkeiten noch nicht ausreichend entwickelt worden sind, beispielsweise im Schriftverkehr und Kontakt mit Behörden, im Aufteilen des verfügbaren Geldes, in Konfliktsituationen usw.

3. Inobhutnahme

Kurzfristige und zeitlich begrenzte Inobhutnahme eines Kindes oder eines Jugendlichen, wenn eine dringende Gefahr für sein Wohl dies erfordert. Sollte die Klärung der Problemlagen und die Entwicklung von Lösungsstrategien es erfordern, kann sich die Inobhutnahme auch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Die Inobhutnahme stellt eine vollstationäre Betreuung dar. Die Kinder und Jugendlichen werden je nach Bedarf intensiv betreut. Parallel dazu erfolgt die Kontaktaufnahme zu und die Koordinierung mit allen relevanten Personen, Ämtern und Institutionen.

IX. Dokumentation und Evaluation

Gemeinsam mit den Eltern, dem Kind/Jugendlichen und dem Jugendamt werden in Hilfeplan-gesprächen meß- und erreichbare Ziele, bzw. Teilziele formuliert. Den gesamten Erziehungs-, Betreuungs- und Entwicklungsprozeß dokumentieren wir in Entwicklungsberichten. Dies geschieht in der Regel halbjährlich, als Grundlage für die jeweiligen Hilfeplangespräche, situativ auch öfter. Die Berichte basieren auf unseren hausinternen Dokumentationen. In ihnen werden nicht nur täglich die wichtigsten Ereignisse und Informationen festgehalten, sondern auch Krisensituationen und -interventionen. Außer in den vorerwähnten Hilfeplangesprächen überprüfen wir ständig teamintern in wöchentlichen Teamsitzungen, monatlichen Supervisionen und Einzelfallbesprechungen (Controlling), welche Fortschritte auf dem Weg zum nächsten Teilziel erreicht wurden, bzw. welche noch wünschenswert sind.

X. Partizipation der Kinder / Jugendlichen

Die bei uns wohnenden Kinder und Jugendlichen haben in vielen Belangen Mitwirkungs-, Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht. Regelmäßig wöchentlich stattfindende Hausrunden dienen als Kinderparlament. Hier können sie Probleme und Wünsche ansprechen und ausdiskutieren. Die Hausrunden werden auch genutzt für Fortschreibungen von Hausregeln, für Besprechungen von Konflikten oder Regelüberschreitungen und daraus resultierenden Konsequenzen, für Planungen von Unternehmungen, für Projekte zu Themen wie Konflikt-, Sucht- und Gewaltprävention, Sexualität, Gesundheit, Hausverschönerung, Rollenspiele, usw. Neben den turnusmäßig stattfindenden Hausrunden finden ggf. auch situativ einberufene statt, wenn akut Entscheidungen getroffen, Konflikte gelöst oder Fragen geklärt werden müssen. Außerdem werden die Kinder/Jugendlichen an der Erstellung von ihren individuellen Entwicklungsberichten, Essensplänen, Dienstepläne der Kinder u.v.m. beteiligt.

XI. Beschwerdemanagement

In Wertschätzung der Persönlichkeit eines Kindes und seiner Rechte, sowie zur steten Verbesserung und Reflektion unserer Arbeit haben wir ein Beschwerdemanagement eingeführt. Rechte, Pflichten Hausregeln wurden gemeinsam mit den Kindern erarbeitet und hängen in Schriftform in einem Gemeinschaftsraum aus. Bei der Aufnahme in unsere Einrichtung wird jedes Kind hierüber informiert und nach seinen Erwartungen an uns gefragt. Ihm wird die Funktion der Hausrunden bzw. des Kinderparlamentes erläutert. Es wird darauf hingewiesen, bei welchen Personen oder Institutionen es sich ggf. Unterstützung in Konflikten holen kann. Eine beschwerdeführende Person erfährt Wertschätzung in ihrem Anliegen. Inhalte der Beschwerde werden besprochen, lösungs-orientiert bearbeitet und ggf. weitergeleitet. Die beschwerdeführende Person bekommt Rückmeldungen über unternommene Schritte und Ergebnisse.

XII. Das pädagogische Arbeitsfeld

Das pädagogische Arbeitsfeld umfaßt ein vollstationäres Betreuungsangebot in allen Lebensbereichen. Wir begegnen den bei uns zur Aufnahme kommenden Kindern und Jugendlichen mit emotionaler Wärme, Empathie und Wertschätzung.
Um einen familiären Rahmen zu wahren, lebt das Leiterehepaar mit den Kindern im Haus, es verbringt die meisten Wochenenden sowie einen Großteil der Schulferien mit den Kindern. Durch das kontinuierliche Zusammenleben kommt das Prinzip des Vorlebens in allen Lebensbereichen zum Tragen. Sie erfahren ihre Bezugspersonen in allen möglichen Alltagssituationen, von der Hausarbeit über den Umgang von Erwachsenen miteinander, handwerklichem Tun bis hin zu Freizeit und Integration in private Familien- und Freundeskreise.

1. Der Lebensraum der Kinder und Jugendlichen

Die Kinder bewohnen in der Regel Einzelzimmer, die überwiegend nach eigenen Vorstellungen eingerichtet und gestaltet werden können. Sie dürfen sich Haustiere halten, sofern sie bereit und fähig sind, diese verantwortlich zu versorgen. So gibt es derzeit zwei Katzen und einen Hund – wir hatten aber auch schon Schafe, Hühner, Fische, Kaninchen, Meerschweinchen und ein Pferd.

  1. Vorschulische und schulische Betreuung

Ein Kindergarten befindet sich im Ort in unmittelbarer Nachbarschaft zur Einrichtung. Grundschulen befinden sich in Nastätten und Miehlen, Haupt- und Realschulen in St. Goarshausen/Heide und Nastätten sowie eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Nastätten, ein Gymnasium in St. Goarshausen. Zu den Schulen werden die Kinder mit Schulbussen gefahren, deren Haltestellen nur wenige Meter von unserem Kinderhaus entfernt sind. Ebenfalls in der näheren Umgebung gibt es einen Kindergarten der Lebenshilfe mit heilpädagogischem Angebot, eine Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung sowie eine Sprachheilschule. Ein Kleinbus übernimmt hier die Fahrten ab unserer Haustüre. Eine Waldorfschule und Berufsfachschulen befinden sich in erreichbarer Entfernung.
Bestehen Bedenken hinsichtlich kognitiver und/oder emotionaler bzw. sozialer Kompetenzen lassen wir bei uns wohnende Kinder und Jugendliche schulpsychologisch hinsichtlich der passenden Schulform testen oder im Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum Neuwied auf Legasthenie oder Dyskalkulie untersuchen.
Die außerschulische Betreuung, in erster Linie bei den Hausaufgaben, erfolgt zu verbindlich festgelegten Zeiten in der Wohngruppe. Die individuelle Betreuung übernimmt der jeweilige Bezugsbetreuer, welcher auch die Schulkontakte zu den Lehrern pflegt. Übergeordnete Schulkontakte nimmt ggf. der Heimleiter wahr.

3. Berufliche Förderung

Berufsausbildungen sind direkt im Ort oder in der näheren Umgebung möglich. Ausbildungsstellen finden wir nicht nur in Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Agentur für Arbeit, dem Inter-nationalen Bund (IB) oder Werkstätten für Behinderte, sondern auch durch Beziehungen zur regionalen Geschäftswelt. Die hierzu notwendige Mobilität der Jugendlichen wird durch den Öffentlichen Nahverkehr oder ggf. unseren hauseigenen Fahrdienst gewährleistet.

4. Tagesablauf

Gemeinsam mit einem Mitarbeiter nehmen die Kindern/Jugendlichen ein Frühstück ein. Im Anschluß an das Zähneputzen und Bettenmachen fahren die Kinder mit dem Bus zur Schule. Nach ihrer Rückkehr übernimmt eines von ihnen im Wechsel den Küchendienst (Tisch decken, abräumen, Spülmaschine ausräumen). Das Mittagessens wird im Turnus von Mitarbeitern zubereitet und gemeinsam mit den Kindern eingenommen. Hierauf folgt die Hausaufgabenzeit. Je nach Notwendigkeit erhalten die Kinder gezielt Unterstützung durch ihren Bezugsbetreuer. Danach haben die Kinder Freizeit bis zum Abendessen. Sie können sie alleine, mit Freunden im Haus oder aus dem Ort, mit den Betreuern (Spiele, Sport, Basteln u.v.m.) oder im Verein verbringen. Im Turnus stehen zudem Therapien und Diensterledigungen (Grundstücks- oder Wäschedienst) und mindestens einmal wöchentlich die Hausrunde (Kinderparlament) an. Das Abendessen verläuft analog wie das Mittagsmahl. Danach haben die Kinder noch einmal Freizeit. Einige verbringen sie mit ihrer peergroup, andere beschäftigen sich am Computer, spielen mit der Spielekonsole, schauen fern usw. Vor dem Zubettgehen, dessen Zeiten altersgemäß gestaffelt ist, achten wir darauf, daß der Körperhygiene und der Zimmerordnung Genüge getan wurde. Jüngere Kinder werden mit einem Bettgehritual in den Schlaf begleitet.
An Wochenenden unternehmen wir oft mit den Kindern, die nicht ihre Eltern/Verwandten besuchen, Ausflüge (Radtouren, Schwimmbad, Kino u.v.m) oder wir spielen, basteln usw. Meist ersetzen wir das Mittagessen hier durch eine Zwischenmahlzeit unterwegs und essen abends warm. Wir legen Wert darauf, daß die Freizeit nicht (nur) in Form von Fernsehen/Konsolespielen, sondern aktiv gestaltet wird.
Die Ferien verbringen die Kinder teils bei ihren Eltern/Verwandten, teils gemeinsam mit uns. Wir gestalten die Ferien meist mit Ferienfreizeiten, Ausflügen oder Spielen im Haus. Auch ist es möglich, daß die Kinder sich an Ferienfreizeiten von Anbietern wie der Arbeiterwohlfahrt oder an Freizeitangeboten der Schulen, der Hahnenmühle (Jugendhaus in Nastätten) o. ä. beteiligen.

5. Mahlzeiten

Wir bereiten unsere Mahlzeiten so zu, daß sie einerseits dem Geschmack der Kinder entsprechen, andererseits aber auch der Notwendigkeit einer ausgewogenen Ernährung dienlich sind. Durch Beteiligung aller mit der Erziehung beschäftigten Mitarbeiter und der Kinder entsteht ein vielseitiger und abwechslungsreicher Speiseplan. An Wochenenden und in Ferien werden die Kinder in die Zubereitung der Mahlzeiten einbezogen.

6. Freizeitgestaltung

Vorleben beinhaltet nicht nur das Aufzeigen von adäquaten Umgangsformen miteinander, Konfliktlösungsstrategien und Verhaltensalternativen, sondern auch von positiven Lebensformen. Ganz selbstverständlich bildet daher der freizeit- und erlebnispädagogische Aspekt einen unsere Arbeit begleitenden Rahmen. Angebote, die für das Kind oft neu und ungewohnt sind, stellen eine Herausforderung dar, deren Bewältigung für Kinder mit geringem Selbstvertrauen einen Zuwachs an Selbstbewußtsein und -vertrauen sowie eine Vertiefung der Beziehung zu Betreuern und der Gruppe geben kann. Auch in diesem Teil der Arbeit zeigt sich die Wichtigkeit der Vorbildfunktion der Bezugspersonen im erzieherischen Bereich.
Das Vorleben der jeweils eigenen vielfältigen Interessen, Fähigkeiten und Hobbies erleichtert die Vermittlung eines ausgefüllten Freizeitverhaltens. Begeistert angenommen werden z. B. Fahrten ins Gelände mit dem Geländewagen, Ausflüge und Malaktionen. Begabungen, Interessen und Neigungen, die die Kinder mitbringen, suchen wir nach Kräften zu unterstützen und zu fördern. Nur beispielhaft seien hier die hausinternen Turnstunden, unsere Fitneßgeräte, das große Trampolin, Radtouren, Fußballspiele, Schwimmen und kreatives Arbeiten mit den verschiedensten Materialien genannt. Angebote bestehen auch seitens der örtlichen Vereine, z. B. mit den Abteilungen Kinder- und Jazzgymnastik, Fußball, Jugendfeuerwehr sowie regional Taekwondo und des Technischen Hilfswerkes.

7. Therapeutisch-pädagogische Angebote – intern und extern

Falls die psychische bzw. motorische Verfassung eines Kindes dies erfordert, beziehen wir in unsere Arbeit therapeutische Fachkräfte mit ein, die bei der Aufarbeitung erlittener emotionaler Verletzungen bzw. motorischer Defizite unterstützend mitwirken. Dies sind in der Regel Kinder- und Jugend-, Trauma-, Spiel- und Ergotherapeuten, Logopäden, aber auch Pädagogen, die tierbasierte Arbeit anbieten (ASAME Oelsberg, Waldhof in Heidenrod-Nauroth).
Bezüglich Kindern und Jugendlichen, die körperlich und seelisch unter hoher Spannung stehen, ihre Gefühle und emotionale Verletzungen aber nicht verbalisieren können, arbeiten wir mit einer Reiki-Meisterin zusammen, die die CranioSacrale KörperBalance praktiziert. Außerdem kooperieren wir mit einem Behandler nach der japanischen Heilkunst Jin Shin Jyutsu, die zur Lösung von Energieblockaden und zur Harmonisierung der Lebensenergie beitragen kann. Darüber hinaus integrieren wir in das Alltagsgeschehen Elemente aus den Bereichen der Traumapädagogik und der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach Marshal Rosenberg.

Traumapädagogik:

Zu uns kommen bisweilen Kinder und Jugendliche, die früh im Leben traumatisiert wurden, z. B. durch Unfall oder Tod einer geliebten Person, Vernachlässigung oder Gewalterfahrungen.
Die traumatischen Erlebnisse der Kinder waren unkontrollierbare, plötzlich oder/und wiederholt eintretende Ereignisse (Schock-, bzw. Entwicklungstraumata), denen sie sich hilflos ausgeliefert fühlten, ohne Einflussmöglichkeit und ohne Kontrolle. Ihre Grenzen wurden in Gewaltsituationen durch physischen / psychischen / sexuellen Mißbrauch willkürlich verletzt, die Kinder wurden verängstigt, erniedrigt, entwürdigt. Manche erinnern noch den physischen oder psychischen Schmerz, können z. T. aber verstandesgemäß nicht erfassen, was mit ihnen geschah. Andre weisen Symptome von dissoziativer Amnesie auf.
Traumatisierte Kinder leiden häufig unter Konzentrations- und Schlafstörungen, Flashbacks, Kontrollzwängen u.v.m. Sie weisen oft eine niedrige Frustrationstoleranz auf und reagieren situativ unangemessen mit Wutausbrüchen. Da sie sich als weniger belastbar als andere erleben, ist ihr Selbstwertgefühl gering. Außerdem leiden sie unter Beziehungsschwierigkeiten, Scham- und Schuldgefühlen und bedrohlichen Geheimnissen. Ihre Gefühle schwingen nicht innerhalb eines gewissen „Toleranzfensters“, sondern sprengen es entweder nach unten (Depression, Energielosigkeit u. a.) oder oben (Innere Unruhe, Wutausbrüche, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit u.a.).
Unsere pädagogische Haltung basiert darauf, dass wir die bisherigen traumabedingten Verhaltens-weisen des jungen Menschen, mit denen er heute sich und andere möglicherweise schädigt, als Überlebensstrategien ansehen, die in der traumatischen Situation Sinn gemacht haben. Hinzu kommt, dass wir vor der Lebensleistung der Kinder und Jugendlichen und ihren Ressourcen Respekt bekunden. Die PädagogInnen unterstützen die Kinder und Jugendlichen in Gesprächen dabei, – auf der Wissensgrundlage über die traumatisierenden Ereignisse und ihre Folgen – ihr Verhalten als normale Reaktion auf eine unnormale Umwelt zu verstehen. Dabei arbeiten wir im Hier und Jetzt, d. h., wir setzen die Kinder so wenig wie möglich Erinnerungen an die traumatische Situation aus, um nicht unnötig belastende Gefühle anzutriggern. Wenn Kinder erkennen, daß ihr Verhalten im Dort und Damals sinnmachend war, dies aber nicht mehr im Hier und Jetzt ist, begünstigt das die Bereitschaft zur Entwicklung alternativer Verhaltensweisen.
Traumatisierten Kindern ist wichtig, gegenwärtig wieder eine gewisse Vorhersehbarkeit und das Gefühl von Kontrolle erfahren zu können. Routine im Tagesablauf der Einrichtung, frühzeitig angekündigte Veränderungen u. ä. wirken beruhigend und stabilisierend. Sie erleben Selbstwirk-samkeit und Selbstregulation durch seine Einbindung in Entscheidungsprozesse, die die individuelle Perspektivplanung sowie das Zusammenleben betreffen.

Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshal Rosenberg:

Um eine angstfreie, sicherheitsgebende Atmosphäre im Kinderhaus herzustellen, wird das wertschätzende Miteinander durch die Einbindung der Gewaltfreien Kommunikation gefördert.
Wir setzen die GfK in der Kommunikation und insbesondere in Konfliktsituationen zwischen Kindern, Eltern und/oder Pädagogen ein. Hierbei sollen die vier Komponenten „Beobachtung“, „Gefühle“, „Bedürfnisse“ und „Bitten“ formuliert bzw. empathisch gehört werden. Ziel ist es,

– Interpretationen/Verdächtigungen von Beobachtungen zu trennen, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren, sowie realistische Bitten zu formulieren, die im Hier und Jetzt erfüllbar sind.

– Empathie für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse sowie die der anderen zu entwickeln.

– auch in Konflikten fair und wertschätzend zu kommunizieren.

– den „guten (Hinter-)Grund“ zu erkennen, dem folgend das Kind eine Regelverletzung beging.

– Verhaltensänderungen aus Einsicht statt aus Furcht vor Strafe zu erzielen.

Viele Kinder, die bei uns aufgenommen werden, haben wenig Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen bzw. denen anderer. Ihnen fehlt oft das Vokabular, sich entsprechend auszudrücken. Häufig sind sie nur mehr oder weniger harte Strafen gewöhnt und erwarten diese auch von unserem pädagogischen Team. Anfangs verwechseln sie die Methoden der GfK mit Mangel an Durchsetzungsfähigkeit, bis sie deren positive Wirkung auf die Entwicklung eigener Sozialkompetenzen und das Zusammenleben erkennen.

CranioSacrale KörperBalance

Das CranioSacrale System ist ein funktionelles System, welches u. a. aus den Hirn- und Rückenmarkshäuten besteht. Es ist mit an der Entwicklung, dem Wachstum und der Funktionsfähigkeit des Zentralnervensystems beteiligt. Spannungen im Körper wirken sich negativ auf das CranioSacrale System aus. Die craniosacrale Behandlerin ist in der Lage, mit ihren Händen den Körper sanft massierend, Spannungen im Körper und somit Blockaden im Energiefluß aufzuspüren und zu lösen. Die Behandlung kann nonverbal verlaufen und bewirkt dennoch die Auflösung von Spannungszuständen und führt zu einer Verbesserung der emotionalen Befindlichkeit.

Jin Shin Jyutsu

Jin Shin Jyutsu ist eine Jahrtausende alte Kunst zur Harmonisierung der Energien in unserem Körper.

Sowohl unsere Gesundheit als auch unser mentales und emotionales Gleichgewicht hängen von einem harmonischen Energiefluss im Körper ab. So wird der Körper in der Philosophie des JSJ betrachtet als ein authentischer Spiegel des energetischen Zustandes des Menschen.
Das sanfte Halten von „Sicherheits-Energieschlössern“, um den Energiefluss zu harmonisieren wird „Strömen“ genannt und als eine Kunst bezeichnet. – Wörtlich übersetzt heißt JSJ „Die Kunst des Schöpfers durch den mitfühlenden Menschen“. (Quelle: www.kinesiologie-hohenfels.de)

ASAME (Alternative soziale Arbeit mit Eseln)

Der Aktivhof in Oelsberg bietet das Projekt ASAME an, das Esel als Co-Therapeuten einsetzt. Zielgruppe sind Kinder, die schlechte Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht und wenig Zugang zu ihren Gefühlen haben. Esel lösen aufgrund ihrer Größe und vermeintlichen Stärke vielschichtige Gefühle, Bilder und Assoziationen aus. Diese werden von der Pädagogin aufgegriffen und begleitet. Im Umgang mit den Eseln soll das Kind beispielsweise lernen, Angst abzubauen, Grenzen zu setzen sowie Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Auf diese Weise ist es ihm möglich, ein Gefühl der Sicherheit und des Selbstwertes zu entwickeln. Neben dem Erwerb emotionaler Kompetenzen lernt das Kind auch Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen und erhält Einblicke in umweltbezogene Zusammenhänge, z. B. den respektvollen Umgang mit verschiedenen Lebensformen.

Waldhof

Der Waldhof in Heidenrod-Nauroth bietet unterschliedliche Angebote mit Pferden an, vom pädagogisch begleiteten Reitunterricht bis zum therapeutisch-/heilpädagogischen Reiten. Je nach Bedarf der bei uns lebenden Kinder kooperieren wir mit den jeweiligen dortigen Pädagoginnen. Neben dem eigentlichen Reiten erleben die Kinder auf dem Bauernhof auch andere Tieren (Schweine, Hühner usw.).

Außerdem:

In die Freizeitgestaltung fließen Elemente aus der Erlebnispädagogik (Erlernen oder Vertiefen lebenspraktischer und /oder sozialer Kompetenzen in ungewohnten Situationen und Umgebungen) und Kunstpädagogik ein (Gestalten und Sich-Ausdrücken mit formbaren Materialien, Malen u.a.). Auch der Haltung von Haustieren messen wir therapeutischen Wert bei, da manche Kinder zunächst eher bereit sind, sich Tieren anzuvertrauen und ihre Zuneigung zu schenken, als Menschen. Daraus erwächst häufig die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Zum therapeutischen Rahmen gehören natürlich auch die Zimmer der Kinder, die soweit als möglich nach deren eigenen Ideen ausgestattet und gestaltet werden dürfen.

8. Krisenprävention und -intervention

Prävention ist ein wichtiger Aspekt in unserer Arbeit. Sie umfaßt:

  • Einzelfallbesprechungen
  • Sexualpädagogisches Schutzkonzept

– Gewaltprävention (Übungen aus dem Bereich der Gewaltfreien Kommunikation,

Sozialkompetenztraining, Stärkung des Selbstwertgefühls der Kinder und Förderung des adäquten Umgangs mit ihren Gefühlen, Deeskalationstraining für die Gruppe u.a.),

– Deeskalation/Selbstschutz (Selbstverteidigungskurs für MitarbeiterInnen – z. B. Taekwondo Ruhe bewahren und konsequentes Erzieherverhalten u.a.) und

  • Nachbereitung der Krise bzw. Konfliktbearbeitung (Konfliktreflektion mit Täter und Opfer u.a.).

Auch wurden vorbeugende Maßnahmen zur Handlungskompetenz ausgearbeitet: Fortbildungen aller pädagogischen MitarbeiterInnen, Ersthelferausbildung aller MitarbeiterInnen, Projektarbeit (manchmal auch unter Einbeziehung der Polizei), Evakuierungsübungen mit der örtlichen Feuerwehr u. a.

Zur konstruktiven Reaktion auf Krisen und Konflikte in oder außerhalb unserer Einrichtung haben wir Pläne für Handlungssicherheit entwickelt: Krisenablaufplan, Notfalltelefonliste, Melderaster für besondere Vorkommnisse, Krisenablaufplan bei Anzeichen für eine mögliche Kindeswohl-gefährdung gem. § 8a SGB VIII, Erste-Hilfe-Kurzanleitung, Konfliktreflektionsbogen u. a..

Alle Krisen werden dokumentiert und – gegebenenfalls – entweder zeitnah den zuständigen Jugendämtern, Vormündern, Eltern und evtl. der Polizei zur Kenntnis gebracht oder im Rahmen von Hilfeplangesprächen thematisiert.

9. Elternarbeit und familiäre Kontakte

Elternarbeit ist für uns selbstverständlich. Sie findet in Form von persönlichen Gesprächen und Telefonaten statt. Wir begegnen den Eltern wertschätzend und empathisch für den „guten Grund“, der ihr bisheriges Handeln bestimmte. In einer Atmosphäre, die von Akzeptanz geprägt ist statt von Kritik, fällt es ihnen leichter, sich zu öffnen und auch Handlungsalternativen anzunehmen. In den Gesprächen legen wir unsere pädagogischen Handlungsweisen dar, wir berichten über die Entwicklung der Kinder, beantworten Fragen, hören zu, unterstützen in administrativen Fragen u.v.m.
An dieser Stelle sei jedoch betont, daß für uns an erster Stelle das Kind und das Kindeswohl steht. Die jeweiligen familiären Interaktions- und Beziehungsmuster berücksichtigend, sollten Besuche der Kinder bei ihren Eltern und / oder Verwandten von beiden Seiten gewünscht und pädagogisch nicht kontraproduktiv sein. Die Besuchsregelung unter qualitativen und quantitativen Gesichtspunkten ist daher Bestandteil des Hilfeplans. So können Besuche mit oder ohne Betreuung erfolgen, im Elternhaus oder bei uns stattfinden, lediglich einige Stunden dauern oder sich über das ganze Wochenende oder gar einen Teil der Ferien erstrecken.

10. Ältere Jugendliche, junge Erwachsene/Entlassungssituationen

10.1. Rückführung

Wir sind gerne bereit – falls im individuellen Hilfeplan von allen Beteiligten als erreichbares und wünschenswertes Ziel vereinbart –, an einer Reintegration ins Elternhaus mitzuarbeiten. Dieser Prozeß bedarf erfahrungsgemäß oft begleitender, stabilisierender und unterstützender Maßnahmen. Unsere Vorbereitung auf die Rückführung umfaßt Gespräche mit dem Kind/Jugendlichen, den Eltern und dem Jugendamt, die Erstellung eines Zeitplans und eines Übergabeprotokolls, die Erhöhung der Besuchszeitenfrequenzen bei den Eltern und den Abschied von der Gruppe und außerhäusigen Sozialkontakten. Auf Wunsch führen wir auch den Umzug durch.

10.2. Umzug in eine andere Einrichtung

Wenn die Unterbringung in eine andere Einrichtung geplant ist, führen wir im Vorfeld Gespräche mit dem Kind/Jugendlichen, den Eltern, dem Jugendamt und der neuen Einrichtung. In ihnen wird die Entwicklung des Kindes/Jugendlichen in unserem Haus reflektiert und ausgewertet. Zur Strukturierung des Wohnortwechsels fertigen wir einen Zeitplan und ein Übergabeprotokoll an. Wir stehen dem Kind/dem Jugendlichen bei der Besichtigung der anderen Einrichtung zur Seite und begleiten den Abschied von der Gruppe und außerhäusigen Sozialkontakten. Auf Wunsch führen wir auch den Umzug durch.

10.3. Verselbständigung

Manche Jugendliche/junge Erwachsene verlassen unsere Einrichtung erst, nachdem sie eine qualifizierende Schulausbildung erworben und den Einstieg in eine Berufsausbildung bewältigt haben. Im Rahmen des Älter-Werdens bereiten wir sie schrittweise auch auf ein eigenständiges Leben vor. Der zunehmenden persönlichen Reifeentwicklung folgend, werden Betreuungs-schwerpunkte sukzessive von einer Vollversorgung auf die Vermittlung lebenspraktischer Inhalte im Hinblick auf die Selbständigkeit gewichtet. Unsere Vorbereitung auf die Verselbständigung umfaßt die schrittweise Erhöhung der Anforderungen an den Jugendlichen, das Einüben im Schriftverkehr und Kontakt mit Behörden, das Einüben im Aufteilen und Dokumentieren des verfügbaren Geldes, das Einüben im Einkauf und selbständigen Kochen, die Unterstützung bei der Suche einer Wohnung, Hilfestellung bei der Möblierung u.a. Falls gewünscht, führen wir auch den Umzug durch. Um die Eingewöhnung in die neue Wohnung zu erleichtern, bieten wir – falls gewünscht und entfernungsmäßig sinnvoll – eine Nachbetreuung an, deren zeitlicher Rahmen und inhaltliche Ausgestaltung mit dem Jugendamt und dem Jugendlichen vereinbart wird.

XIII. Schluß – Sätze

Wichtig für uns ist, daß wir unsere Ideale im Bewältigen von Alltag(sroutinen) nicht aus den Augen verlieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß wir uns mit den Kindern ändern: docendi discimus, als Lehrende lernen wir, wußten schon die Römer. Diese Erkenntnis berücksichtigend, werden wir unsere Arbeit ständig reflektieren und neue Ansichten, Erfahrungen und Vorgehens-weisen konzeptionell fortschreiben.

Eines wollen wir in jedem Fall beibehalten: Unser Engagement zum Wohle der Kinder und Jugendlichen.

Welterod, im Februar 2022

XIV. Kontaktdaten:

Kinderhaus „Blaues Ländchen“
Rathausstr. 5
56357 Welterod

Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne unsere ausführliche Leistungsbeschreibung und/oder unser Sexualpädagogische Schutzkonzept zu.

Anfragen richten Sie bitte an die eMail-Adressen